Veränderungen im Ernährungsverhalten! Was bedeutet das für die Gastronomie?

Männlein, weiblich, divers… während man verwundert in den unterschiedlichsten Bereichen mit der neuen Einteilung konfrontiert wird, zeigen neue Studien ganz deutlich: beim Thema Ernährung gibt es eine ganz deutliche Position der Geschlechter. Und nicht nur hier – auch der soziale Bildungsstand führt zu deutlichen  Unterschiedlen.

Die aktuelle  Nestle Studien 2019 macht deutlich wie wichtig es ist, die eigene Zielgruppe zu kennen, nicht auf jeden Trend aufzuspringen, doch den langfristigen Wandel im Auge zu behalten!

In einer aktuellen Studie wurden 1636 Personen zwischen 14 und  84 Jahren befragt. Im Vergleich zu den Ergebnissen von 2009 zeigten sich deutliche Veränderungen im Ernährungsverhalten. Die wohl interessante Aussage der Studie: Während 72 Prozent der Frauen großen Wert auf eine gesunde und gute Ernährung der Speisen und Getränke legen, gilt dies nur für 58 Prozent der Männer.

Den Salat für die Dame?

Auch wenn man meint, diese Zeiten wären vorbei: Obst und Gemüse landen immer noch vorwiegend bei den Frauen auf dem Teller, während die Herren weiterhin gerne die Speisen und Getränke auswählen, auf die sie gerade  Lust haben – auch wenn dies mehr  Kalorien als Vitamine bedeutet.

Denkt man zurück an die eigene Kindheit prägt bei vielen das gemeinsame Mittagessen mit den Eltern oder der Mutter  die  Erinnerung. Gemeinsame Zeit; „wie war es in der Schule“, und Zeit für Kommunikation. Werte, die auch heute noch gelten und die vielen wichtig sind. Trotzdem: heute sieht die Welt anders aus.  Dabei  legen aktuell 95 Prozent der Familien mit Kindern eigentlich einen hohen Wert auf diese Quality Zeit, an dem sich die Familie einmal am Tag zusammensetzt.

Entstrukturierung  verhindern Quality Time –

Die Umsetzung fällt in der heutigen Arbeits- und Gesellschaftswelt leider zunehmend schwerer. Speisen und Getränke werden  in der Kita, in der Schule zu sich genommen… Berufstätige essen in der Kantine, Vertriebler schnell mal unterwegs…..So führt eine Art Entstrukturierung der Gesellschaft dazu, dass die Zahl der gemeinsamen Mahlzeiten zum Frühstück oder Abendessen um 10 Prozent zurückgegangen ist. Unter der Woche isst nur noch jeder zweite sein Mittagessen in Gesellschaft, nur 39 Prozent frühstücken nicht alleine.

Selbst eine warme Mahlzeit am Tag ist nicht mehr die Regel. Nur noch 44 Prozent der Befragten gönnt sich eine warme Kost – immerhin 10 Prozent weniger als noch 2009. War historisch betrachtet der Mittag für die Hauptmahlzeit des Tages eingeplant, so nehmen sich  heute genauso viele Menschen erst am Abend die Zeit dafür ( 38% zu 39%).

Und Gastronomen aufgepasst: Immer häufiger wird diese Mahlzeit außer Haus zu sich genommen. 58 Prozent der Befragten isst mittags nicht in der eigenen Küche, sondern gerne in der Kantine oder beim Gastronomen ums Eck. Nur noch  ca.  50% der Menschen kocht noch selber jeden Tag – auch dies sind 10% weniger als noch 2009.

Festgelegte Essenszeiten waren früher – heute geben 34 Prozent an halt dann zu essen, wenn sie Hunger haben!

Speisen und Getränke in aller Munde

Trotz oder entgegen dieser Entwicklung ist das Thema Ernährung in aller Munde. Gesund soll es sein, ausgewogen, möglichst bio,  regional und klimatechnisch vertretbar. Zudem gerne auch mit Blümchen oder kunstvoll arrangiert….65 % der Befragten geben an, dass sie einen großen Wert auf eine gesunde Ernährung legen. Bei genauerem Betrachten stellt man fest, dass es hier jedoch große Unterschiede in den einzelnen Gesellschaftsschichten gibt.

In schwächeren, sozialen Schichten ist der Wert in den letzten Jahren auf 49 Prozent gesunken. Während er in den sozial stärkeren Schichten auf 81 Prozent gestiegen ist!

Jeder Gastronom sollte also bei der Auswahl seiner Karte seine Zielgruppe genau im Auge halten und seine Karte demensprechend gestalten. Der Markt selbst tendiert nicht ausschließlich in eine Richtung. Nicht alle wollen Bio und Gesund  – auch wenn nie außer Acht gelassen werden darf, dass die Mehrheit den Nutzen dahinter erkannt hat.

Menschliches Grundbedürfnis

Nicht verwunderlich erscheint der Trend, dass Sharing und gemeinsames Speisen an langen Tafeln in Gemeinschaft – sei es mit Fremden oder Freunden zurzeit sehr  angesagt ist, ist doch das Zwischenmenschliche und Gemeinsame, welches  oftmals zu Hause nicht mehr stattfinden kann, trotzdem ein menschliches Grundbedürfnis.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen Abend mit Freunden an einem reich gedeckten Tischmit  guten Gesprächen und menschlicher Wärme

 

Ihr Björn Grimm